Linzer Stories

Erinnern in Linz

Linz war Hitlers „Patenstadt“. Seine NS-Zeit hat Linz gründlich erforscht, im Stadtbild erinnert die Stadt aber nur zögerlich daran, und sehr viele Schritte dort gehen auf einen Antrag von uns Grünen zurück. Was beschlossen wurde, was davon umgesetzt ist und was wir dazu sagen.

Von Helge Langer, Klubobmann der Grünen Linz. Stand: 28. Oktober 2026 · Chronik

Inhalt

Was die „Patenstadt“ hinterlassen hat

Adolf Hitler wollte seine „Heimat- und Patenstadt“ Linz zu einem Industrie-, Verwaltungs- und Kulturzentrum ausbauen, und mit dieser Absicht hing laut Stadtarchiv auch die Eingemeindung von Ebelsberg und St. Magdalena 1938 zusammen.⁠1 Er plante ein Groß-Linz als eine der fünf „Führerstädte“ des Großdeutschen Reiches, wo er auch seinen Alterssitz errichten wollte.⁠2 Umgesetzt wurde laut dem Historiker Fritz Mayrhofer vor allem, was dem Krieg diente, also die Großindustrie und der Wohnbau, und die Monumentalplanungen für Verwaltung, Kultur und Verkehr blieben weitestgehend auf dem Papier.⁠3 Für ein „Führermuseum“ hat ein „Sonderstab Linz“ durch Beschlagnahme vorwiegend jüdischer Sammlungen und durch Ankäufe einen riesigen Bestand zusammengetragen, das Museum blieb aber Fiktion, und die Bilder lagerten in Kellern, Depots und Stollen.⁠4

Im März 1939 hat Hitler den Münchner Architekten Roderich Fick zum „Reichsbaurat für die Neugestaltung der Stadt Linz“ bestellt.⁠5 Fick plante gemeinsam mit Anton Estermann die Brückenkopfgebäude und dazu das Wasserstraßenamt, das heutige Heinrich-Gleißner-Haus, und das waren die ersten und einzigen Bauten der Neugestaltung, die auch verwirklicht wurden.⁠5 Dafür wurde das Stauberhaus am Hauptplatz abgerissen und die alte Donaubrücke durch die Nibelungenbrücke ersetzt.⁠6 Laut der Firmenchronik der WAG wurden beim Bau der Nibelungenbrücke nachweislich Granitsteine verbaut, die Zwangsarbeiter im Steinbruch Mauthausen abgebaut hatten.⁠7 Ob KZ-Häftlinge auch an den Brückenkopfgebäuden selbst arbeiten mussten, ist laut Kunstuniversität Linz bis heute umstritten.⁠8

Blick über die Nibelungenbrücke auf die beiden Brückenkopfgebäude am Linzer Hauptplatz, zwei lange, gleich gebaute Gebäude zu beiden Seiten der Fahrbahn
Nibelungenbrücke und Brückenkopfgebäude. Foto: Andreas Praefcke, CC BY 3.0, Wikimedia Commons

In Linz sollten in der NS-Zeit 18 neue Siedlungen entstehen, und bis 1943 wurden 7.754 Wohnungen fertig.⁠9 Die größten Bauträger waren die Wohnungs-AG der Reichswerke Hermann Göring, heute die WAG, und die Stadt- und Wohnungsgesellschaft der Stadt Linz, heute die GWG, und schon 1938 begann der Bau der Siedlungen Spallerhof, Wimhölzl und Keferfeld.⁠10 Die WAG schreibt in ihrer eigenen Chronik, dass sie bis Kriegsende „Teil des verbrecherischen NS-Systems“ war.⁠11

Am 13. Mai 1938 war in St. Peter der Spatenstich für die Reichswerke „Hermann Göring“, und die rund 4.500 Bewohner:innen von St. Peter-Zizlau wurden in andere Stadtteile umgesiedelt.⁠12 Die Eisenwerke Oberdonau wurden laut voestalpine später das größte deutsche Panzerwerk.⁠13 Beim Aufbau und Betrieb der Werke wurden zigtausende Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter aus mehr als dreißig Nationen eingesetzt, Männer und Frauen, Jugendliche und Kinder,⁠14 und 1944 lag der Ausländeranteil unter den Beschäftigten im Schnitt bei zwei Dritteln, Kriegsgefangene und KZ-Häftlinge nicht mitgerechnet.⁠15 Über fast das ganze Stadtgebiet verteilt gab es 77 Lager für Zwangsarbeiter:innen,⁠16 und laut dem Historiker Walter Schuster hat die Linzer Stadtverwaltung ausländische Arbeiter:innen aktiv rekrutiert, beaufsichtigt und diszipliniert.⁠17

Bis Mitte 1944 wurden in Linz drei Außenlager des KZ Mauthausen eingerichtet, das erste Ende 1942, um die Hochofenschlacke der Reichswerke zu verwerten.⁠18 Das Lager Linz II entstand im Frühjahr 1944 auf direkten Wunsch Hitlers für den Ausbau der Luftschutzstollen beim Märzenkeller, und die rund 380 Häftlinge waren direkt in den Stollen untergebracht.⁠19 Im Lager Linz III waren im Herbst 1944 über 5.600 Häftlinge, und in den drei Lagern sind insgesamt über 800 Häftlinge ums Leben gekommen.⁠20 Die genaue Zahl der Opfer ist laut dem Historiker Helmut Fiereder unbekannt.⁠21

1934 lebten in Linz laut Volkszählung 671 Jüdinnen und Juden.⁠22 In der Pogromnacht 1938 haben SA und SS die Synagoge in der Bethlehemstraße geplündert und angezündet.⁠23 Laut Stadt Linz gab es 321 jüdische Opfer des Nationalsozialismus aus Linz, 200 von ihnen haben den NS-Terror nicht überlebt, und die meisten wurden ab 1942 zuerst nach Theresienstadt deportiert, viele danach in Auschwitz ermordet.⁠24 Die Heil- und Pflegeanstalt Niedernhart war ein Ort der NS-Euthanasie und eine Zwischenstation für die Tötungsanstalt Hartheim.⁠25

Aufgearbeitet hat die Stadt diese Zeit gründlich. Im September 1996 hat der Gemeinderat einstimmig beschlossen, die NS-Zeit in Linz umfassend wissenschaftlich aufarbeiten zu lassen,⁠26 und laut Stadt haben 50 Historiker:innen alle relevanten Aspekte behandelt, von der Vorgeschichte vor 1938 bis zur Entnazifizierung nach 1945.⁠27 Im Mai 2001 hat die Stadt die Ergebnisse präsentiert,⁠28 zwei Bände mit zusammen 1.754 Seiten,⁠29 und ein Schwerpunkt waren die personellen und mentalen Kontinuitäten zwischen der NS-Zeit und der Zeit nach 1945.⁠30 Die Linz09-Ausstellung „Kulturhauptstadt des Führers“ im Schlossmuseum hatte 2008 und 2009 laut Linz09 62.000 Besucher:innen,⁠31 und das Linz09-Projekt IN SITU hat 65 Orte des NS-Terrors in Linz auf dem Gehsteig markiert.⁠32

Die Straßennamen

Von 1973 bis 1986 gab es in Linz eine Langothstraße.⁠34 Franz Langoth war von 1940 bis 1944 Richter am Volksgerichtshof, mit 118 Schuldsprüchen, davon 41 Todesurteile, er war SS-Brigadeführer und von 1944 bis 1945 Oberbürgermeister von Linz.⁠35 Laut Stadtarchiv hatte er auch nach 1945 bei Politikern von SPÖ und ÖVP großes Ansehen und galt als „guter Nazi“, und diese „fatale Einstellung“ hat 1973 zur Benennung der Straße geführt.⁠36 1986 wurde sie in Kaisergasse umbenannt.⁠34 Abseits der ersten Nachkriegsjahre hat Linz nach 1945 nur sehr wenige Straßen umbenannt, 2001 hat etwa die Baumgärtelstraße einen neuen Namensgeber bekommen, nachdem bekannt geworden war, dass der Dichter Karl Emmerich Baumgärtel Hauptstellenleiter im Gaupresseamt Oberdonau gewesen war.⁠37

Im April 2019 habe ich im Gemeinderat unseren gemeinsamen Antrag mit der KPÖ „Aufarbeitung Franz Dinghofer und Erläuterungstafeln für die Dinghoferstraße“ berichtet.⁠38 Anlass war eine Anfrage des Mauthausen Komitees beim Bundesarchiv in Berlin, die ergeben hatte, dass Dinghofer NSDAP-Mitglied war,⁠39 und wir haben verlangt, die Straßenschilder mit Zusatztafeln zu versehen, die Dinghofer in den richtigen geschichtlichen Zusammenhang setzen.⁠40 Bürgermeister Luger hat darauf hingewiesen, dass die NSDAP-Mitgliedschaft schon 2011 in einer Publikation des Stadtarchivs erwähnt war, und Dinghofer sei als 67-jähriger Pensionist von der Aktenlage her eindeutig freiwillig beigetreten.⁠41 „Mein Vorschlag ist, dass wir sehr rasch eine Zusatztafel bei der Dinghoferstraße anbringen werden, auf der auf die NSDAP-Mitgliedschaft hingewiesen wird“, hat Luger damals gesagt.⁠42

Aus unserem Antrag ist dann mehr geworden als eine Tafel. Im Juli 2019 hat der Gemeinderat ihn abgeändert und einstimmig beschlossen, dass das Archiv der Stadt alle Linzer Straßennamen überprüft,⁠43 gemeinsam mit einer Kommission aus internen und externen Expert:innen.⁠44 Die Straßennamen-Kommission verdankt Linz uns Grünen und der KPÖ, das hat Bürgermeister Luger selbst gesagt, als er erklärt hat, er habe das Archiv „basierend auf einem Antrag, den die Fraktionen der Grünen und die KPÖ im Zusammenhang mit der Aufarbeitung, der Biographie und vor allem auch der Benennung der Dinghoferstraße […] eingebracht haben“, um die Prüfung gebeten.⁠45 Eine Liste mit Empfehlungen für Umbenennungen sollte die Kommission laut Luger nicht liefern, darüber sollten die politischen Gremien entscheiden.⁠46 Ich habe damals kritisiert, dass sich Graz für ein vergleichbares Projekt etwa vier und Salzburg fünf Jahre Zeit genommen haben, Linz aber nur zwei.⁠47 Der Endbericht war für Ende Juni 2021 vorgesehen.⁠48

Laut dem Bericht der Kommission von 2022 hat Linz 1.158 Verkehrsflächen, 566 davon sind nach Personen benannt.⁠49 96 Namensgeber:innen hat die Kommission mit einer Biographie untersucht und 64 davon einer Belastungskategorie zugeordnet, 4 der Kategorie 1, 21 der Kategorie 2 und 39 der Kategorie 3.⁠50 Kategorie 1 steht für aktives Handeln und extrem starke Propagierung von Menschenfeindlichkeit wie Rassismus oder Antisemitismus, für die Ablehnung der Demokratie und für die Beteiligung an Verbrechen gegen die Menschlichkeit.⁠51 Dort hat die Kommission Bischof Johannes Maria Gföllner, den Komponisten Hans Pfitzner, den Autokonstrukteur Ferdinand Porsche und den Unterhaltungskünstler Franz Resl eingestuft.⁠52 Kategorie 2 bedeutet eine „stabile Spur im Erwachsenenleben“, etwa eine Funktion in Parteien oder Organisationen, zu deren Wesenskern Rassismus, Antisemitismus oder eine antidemokratische Einstellung gehören,⁠53 und dort stehen unter anderem Franz Dinghofer, Heinrich Gleißner, Julius Raab, Herbert von Karajan, Franz Stelzhamer und Richard Wagner.⁠54 Mit der Langothstraße war laut Kommission keiner der untersuchten Fälle in Problematik und Dimension vergleichbar.⁠55

Je ein Schild für jede Person, nach der eine Linzer Straße benannt ist und die die Straßennamen-Kommission mit einer Biographie untersucht hat, geordnet nach den Kategorien des Berichts von 2022. Durchgestrichen sind die vier Straßen, die seit 2023 anders heißen.⁠50565457

Nach dem Bericht haben wir im November 2022 verlangt, dass zumindest die vier Straßen umbenannt werden, die nach Personen der Kategorie 1 benannt sind, und dass man über den Umgang mit den 21 Personen der Kategorie 2 berät.⁠58 „Menschen, die das größte Verbrechen gegen die Menschheit des 20. Jahrhunderts aktiv unterstützt und öffentlich Hetze gegen die jüdische Bevölkerung betrieben haben, dürfen in Linz keinen Platz im öffentlichen Raum haben“, habe ich damals gesagt.⁠59 Im Dezember 2022 hat der Stadtsenat mehrheitlich beschlossen, Porscheweg, Gföllnerstraße, Pfitznerstraße und Reslweg umzubenennen und den Betroffenen die Kosten zu ersetzen.⁠60 Die FPÖ hat nicht zugestimmt und wollte stattdessen gut sichtbare Zusatzinformationen, wie FPÖ-Stadtrat Michael Raml erklärt hat.⁠61 Seit 2023 heißt der Porscheweg Wittgensteinweg, die Gföllnerstraße Sterneggstraße, die Pfitznerstraße Nauheimerstraße und der Reslweg Meinhartweg, und damit ist umgesetzt, was wir verlangt haben.⁠57 Drei der neuen Namen erinnern an Frauen, an Ernestine von Sternegg, an die Frauenrechtlerin Stefanie Nauheimer und an Marianne Meinhart, die erste Dekanin Österreichs,⁠626364 und unsere Stadträtin Eva Schobesberger hat damals darauf hingewiesen, dass nur 48 von 1.157 Linzer Straßen nach Frauen benannt sind.⁠65 Die übrigen 92 untersuchten Namen wollte die Stadt laut ihrer Ankündigung von 2022 in Publikationen und online kommentieren, aber nicht umbenennen.⁠66

Die Dinghoferstraße heißt weiterhin so, im Straßenverzeichnis der Stadt ist sie nach dem Linzer Bürgermeister und Ehrenbürger Franz Dinghofer benannt, und der Eintrag verlinkt online auf seine Biographie und Einstufung im Straßennamenbericht.⁠67 Im Dezember 2025 haben KPÖ und Grüne gemeinsam beantragt, die Umbenennung der Dinghoferstraße zu prüfen, nachdem FPÖ-Nationalratspräsident Walter Rosenkranz im November im Parlament ein Dinghofer-Symposium veranstaltet hatte.⁠68 Den zweiten Punkt des Antrags, die Aberkennung der Ehrenbürgerschaft, hat Berichterstatterin Grünn (KPÖ) fallen gelassen, weil das in Linz nur der Gemeinderat mit Dreiviertelmehrheit beschließen kann.⁠69 „Es geht darum, wen wir in der Stadt Linz aktiv ehren. Für einen antisemitischen NSDAP-Mann ist hier kein Platz mehr“, habe ich in der Debatte gesagt.⁠70 Bürgermeister Dietmar Prammer (SPÖ) hat die Enthaltung der SPÖ damit begründet, „dass sich seither historisch nichts Neues getan hat“,⁠71 NEOS-Gemeinderat Stefan Burgstaller hat Zustimmung angekündigt,⁠72 und am Ende ist der Antrag gescheitert, weil sich SPÖ, ÖVP und FPÖ enthalten haben.⁠73 Eine Enthaltung gilt im Linzer Gemeinderat als Ablehnung.⁠74

Im Juli 2026 haben das Mauthausen Komitee, die Katholische Aktion Oberösterreich und das OÖ. Netzwerk gegen Rassismus und Rechtsextremismus in einem offenen Brief vorgeschlagen, die Dinghoferstraße nach Altbischof Maximilian Aichern zu benennen, und wir haben das gemeinsam mit der KPÖ ausdrücklich begrüßt.⁠75 Das Büro von Bürgermeister Prammer hat geantwortet, eine isolierte Umbenennung ohne neue historische Erkenntnisse würde „die einheitliche Systematik und das Gesamtergebnis der Untersuchung infrage stellen“, und eine Benennung nach Aichern käme wegen einer dreijährigen Cooling-off-Phase frühestens 2029 in Betracht.⁠76

Andere Städte gehen anders vor. In Salzburg waren 44 Namensgeber:innen nachweislich NSDAP-Mitglieder,⁠77 und der Gemeinderat hat dort schon im Februar 2013 beschlossen, alle nach Personen benannten Straßen mit einer Erläuterungstafel zu versehen.⁠78 In Wien hat eine Historikerkommission 2013 rund 170 von 4.300 personenbezogenen Straßennamen als problematisch eingestuft, 28 davon mit intensivem Diskussionsbedarf, und für diese 28 hat die Stadt Zusatztafeln erstellen lassen.⁠79 Für Ferdinand Porsche hat Wien eine Zusatztafel gewählt, Linz hat den Porscheweg umbenannt.⁠80

Erinnern im Stadtbild

Im Juli 2013 haben wir beantragt, in Linz das Projekt „Stolpersteine“ umzusetzen, Berichterstatterin war Edith Schmied, und der Antrag wurde bei Enthaltung von ÖVP und FPÖ dem Stadtsenat zugewiesen.⁠81 Die FPÖ hat sich dabei auf Charlotte Knobloch berufen, die es unerträglich fand, dass die Namen von Opfern im Boden „mit Füßen getreten“ werden.⁠82 Im Oktober 2018 haben wir die Stolpersteine noch einmal beantragt, Berichterstatter war ich,⁠83 und diesmal hat der Gemeinderat schon die Zuweisung an den Kulturausschuss abgelehnt, weil sich SPÖ und FPÖ enthalten haben, und beim Antrag selbst haben sich SPÖ, FPÖ und ÖVP enthalten.⁠84 Bürgermeister Luger hat für die SPÖ gesagt, „dass wir dieses Projekt der Stolpersteine nicht wollen“, andere Projekte entwickle man gemeinsam mit der Kultusgemeinde,⁠85 und FPÖ-Gemeinderat Günther Kleinhanns hat die Stolpersteine einen „Erziehungsversuch mittels patentierter Messingplättchen“ genannt.⁠86

Aufgegeben haben wir die Stolpersteine nicht. Seit 2018 betreibt unser Klub im Gemeinderat die Plattform „Stolpersteine für Linz“ mit einer Petition, das Projekt von Gunter Demnig auch in Linz umzusetzen, und bis Oktober 2026 haben 2.437 Menschen unterschrieben.⁠87 Die Plattform versteht sich als überparteilicher Zusammenschluss und hat ein eigenes Personenkomitee.⁠87

Im Jänner 2019 hat der Gemeinderat einstimmig 90.000 Euro für „Erinnerungszeichen für NS-Opfer in Linz“ beschlossen, die Bürgermeister Luger als Alternative zu den Stolpersteinen hatte entwickeln lassen.⁠88 Für uns habe ich gesagt: „Mit der Konzipierung eines dauerhaften, individualisierten Gedenkprojekts wird auch eine langjährige Forderung von uns umgesetzt.“⁠89 Geplant war im November 2019, im Jahr 2020 rund 20 Stelen aufzustellen,⁠90 eingeweiht wurden die ersten im September 2022, im Beisein von 70 Nachkommen, nach dem Entwurf „Erinnern...“ des Künstlers Andreas Strauss mit einer Klingel als Element.⁠91 Bei der Einweihung am Alten Markt war ich auch dabei.⁠92

Helge Langer und weitere Gäste stehen bei der Einweihung um eine Erinnerungsstele aus Messing vor einem Altstadthaus
Alter Markt, 15. September 2022. Foto: Die Grünen Linz

Im Dezember 2024 erinnerten Stelen an 22 Standorten an 194 jüdische Opfer, und der Gemeinderat hat einstimmig bis zu 120.000 Euro für weitere Stelen beschlossen.⁠93 Im Gedenkjahr 2025 sind 17 Stelen dazugekommen, und die Stadt spricht vom vorläufigen Abschluss ihres Projekts „Linz erinnert“.⁠9495 Heute stehen laut der Projektseite linzerinnert.at an 39 Standorten Stelen mit zusammen 321 Namen, und für zwei weitere Standorte in der Goethestraße und der Landstraße sind dort 13 weitere Namen eingetragen.⁠96 Gewidmet sind die Erinnerungszeichen vor allem den verfolgten und ermordeten Linzer Jüdinnen und Juden.⁠97

Eine schmale Stele aus Messing auf einer Rasenfläche, darauf untereinander eingravierte Namen, neben jedem Namen ein kleiner Klingelknopf
Eine Erinnerungsstele von „Linz erinnert“. Foto: Stadt Linz

2012 haben wir einen Antrag für ein „Denkmal für DeserteurInnen aus der Wehrmacht“ gestellt.⁠98 Im Juli 2015 hat der Gemeinderat zur Erledigung dieses Antrags 50.000 Euro für ein „Mahnmal für aktive Gewaltfreiheit“ am Brückenkopf beim Neuen Rathaus genehmigt,⁠99 und die FPÖ hat sich enthalten und von einer „Umetikettierung“ gesprochen.⁠98

Eine flache, runde weiße Steinscheibe auf einem gepflasterten Platz, darauf ein weißer Zylinder und ein weißer Würfel, im Hintergrund eine Straßenbahn und eine Brücke
Mahnmal für aktive Gewaltfreiheit, Linz. Foto: Herzi Pinki, CC BY-SA 4.0, Wikimedia Commons

Für das Gedenkjahr 2018 hat der Gemeinderat einstimmig die Installation „Linz 1938/1918“ im öffentlichen Raum vergeben, und ich habe sie die Umsetzung unseres entsprechenden Antrags genannt.⁠100

Für den Jüdischen Friedhof hat die Stadt 2023 für 20 Jahre die laufende Instandhaltung übernommen,⁠101 und im Jänner 2026 hat der Gemeinderat einstimmig 60.000 Euro für 116 Grabtafeln bewilligt, für Gräber, die im Zweiten Weltkrieg durch Bomben zerstört wurden.⁠102 Am OK Platz wurde 2024 ein Denkmal für Frauen im Widerstand gegen das NS-Regime enthüllt, den Wettbewerb dafür hatte das Land initiiert.⁠103

Bei anderen Opfergruppen gibt es Lücken. In der Denkmaldatenbank der Stadt sind 35 antifaschistische Gedenkstätten verzeichnet,⁠104 eine Suche nach „Sinti“, „Deserteur“ oder „homosexu“ ergibt dort mit Stand 28. Oktober 2026 aber jeweils null Treffer.⁠105 Die Verfolgung homosexueller Menschen hatte laut Stadtarchiv in der großen Studie von 2001 keinen eigenständigen Platz,⁠106 2023 hat der Stadtsenat einstimmig ein Forschungsprojekt dazu genehmigt,⁠107 und am 10. November 2026 wird im Alten Rathaus der Sammelband „Verfolgt, verurteilt, vergessen? Als homosexuell Angeklagte in den Linzer Gerichtsakten 1938–1945“ präsentiert, den unsere Bildungsstadträtin Eva Schobesberger als wichtigen Beitrag zur Erinnerungskultur gewürdigt hat.⁠108 Bei der internationalen Gedenk- und Befreiungsfeier war ich im Mai 2023 gemeinsam mit den Grünen andersrum OÖ.⁠109

Vier Menschen stehen im Freien mit einem großen Kranz aus bunten Blumen, darunter Helge Langer, hinter ihnen eine Regenbogenfahne
Befreiungsfeier in Mauthausen, Mai 2023. Foto: Die Grünen Linz

Die Luftschutzstollen

Das Lager Linz II ist im Frühjahr 1944 auf direkten Wunsch Hitlers für den Ausbau der Luftschutzstollen beim Märzenkeller entstanden, und die rund 380 Häftlinge waren direkt in den Stollen untergebracht.⁠19 Als Beispiele für die Linzer Luftschutzstollen habe ich im Juli 2025 im Gemeinderat den Limonistollen am Bauernberg und den Rudolfstollen in Urfahr genannt, und ich habe daran erinnert, dass sie „teilweise oder zur Gänze unter schlimmsten Bedingungen durch die Ausbeutung von KZ-Häftlingen und Zwangsarbeiter*innen errichtet worden“ sind.⁠110

Ein langer, gemauerter Gang mit gewölbter Ziegeldecke, beleuchtet von Lampen an der Decke, links eine offene Metalltür
Im Limonistollen. Foto: Wald1siedel, CC BY-SA 4.0, Wikimedia Commons

Deshalb haben wir im Juli 2025 ein Gedenkkonzept für die Stollen beantragt, Berichterstatter war ich.⁠111 Bürgermeister Prammer, der für die Liegenschaften zuständig ist, sollte zuerst prüfen, inwieweit die Stollen zugänglich sind oder zugänglich gemacht werden können. Danach sollte er gemeinsam mit Kultur, Stadtplanung, Bildung und Finanzen sowie mit Stadtarchiv, Opferverbänden, Schulen, Universitäten, Zivilgesellschaft, Bundesdenkmalamt, Land und gegebenenfalls Bund ein Gedenkkonzept erarbeiten, mit Vorschlägen zu Formaten, Finanzierung, Eigentumsverhältnissen und Wartung.⁠112 Bis spätestens Ende 2025 sollte das Konzept vorliegen, damit im Jahr darauf erste Maßnahmen umgesetzt werden können.⁠112

„Das Ziel soll sein, möglichst viele Menschen zu erreichen und sie sowohl emotional als auch intellektuell anzusprechen und aktiv für Demokratie, Antifaschismus und Menschenrechte zu sensibilisieren.“⁠113

Helge Langer, Klubobmann der Grünen Linz, im Gemeinderat im Juli 2025

Bürgermeister Prammer hat sich für die Initiative bedankt, „die ich inhaltlich durchaus teile“, er hat von einer Verantwortung der Stadt auch als Miteigentümerin diverser Stollen gesprochen und daran erinnert, dass die Stadt den Limonistollen 2012 für kuratierte Führungen geöffnet hat.⁠114 Die Frist bis Ende 2025 hat er aber für „sehr ambitioniert, vielleicht auch für gar nicht machbar“ gehalten und auf offene Fragen zu Haftung und Eigentum verwiesen,⁠115 und der Gemeinderat hat den Antrag einstimmig dem Ausschuss für Planung, Liegenschaften und Verfassung zugewiesen.⁠111 Im Juni 2026 konnte ich bei einer Führung im Rahmen des Festivals LINZ FMR 26 den sonst verschlossenen Schlossbergstollen besichtigen, und ich habe danach geschrieben: „Solche Orte sichtbar zu halten, ist Erinnerungsarbeit, die wir brauchen.“⁠116

Ein grob aus dem Fels gesprengter, unverkleideter Gang mit Schotterboden, nur von einer Lampe beleuchtet
Im Schlossbergstollen, Juni 2026. Foto: Die Grünen Linz

Der Burschenbundball

Der Burschenbundball findet im Palais Kaufmännischer Verein an der Landstraße statt.⁠117 Laut seiner Website ist er „die Jahresveranstaltung der in Oberösterreich lebenden Mitglieder von nationalen waffenstudentischen Verbindungen, ihrer Angehörigen und Freunde“,⁠118 und laut Veranstalter gibt es ihn seit 1948 regelmäßig.⁠119 Der 75. Ball war am 1. Februar 2025, der 76. am 7. Februar 2026.⁠120121

Laut Website steht der Ball unter dem Ehrenschutz des oberösterreichischen Landeshauptmanns,⁠117 und Landeshauptmann Thomas Stelzer (ÖVP) hat ihn auch 2026 wieder übernommen.⁠122 2019 hat Stelzer in der ZiB2 angekündigt, zum Ball zu gehen, „wie auch meine Vorgänger als Landeshauptleute“, und der damalige grüne Landesrat Rudi Anschober hat das „kein gutes Zeichen“ genannt.⁠123 Das Rektorat der JKU hat seinen Ballbesuch im selben Jahr abgesagt.⁠124 2025 hat Stelzers Büro laut OÖN erklärt, dass er für alle Bälle gerne den Ehrenschutz übernehme, sofern gegen Veranstaltung und Veranstalter keine „rechtlichen Ausschließungsgründe vorliegen“.⁠125

Laut Tips wird der Ball jedes Jahr kritisiert, weil unter anderem die Burschenschaft Arminia Czernowitz zu den Organisatoren gehört.⁠126 Das Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (DÖW) beschreibt die Arminia Czernowitz zu Linz auf seiner Informationsseite als „Mensur schlagende und deutsch-völkische Studentenverbindung“, die mit einer kurzen Unterbrechung von 2009 bis 2011 „dem rechtsextremen Milieu zuzurechnen ist“.⁠127 Laut DÖW waren zumindest 2013 weite Teile ihrer Aktivitas „auch in der rechtsextremen Identitären Bewegung Österreich (IBÖ) aktiv“, und Ende September 2016 wurde im Linzer Arminen-Haus ein Vereinslokal der Identitären eröffnet.⁠128 Als prominente Mitglieder nennt das DÖW unter anderem Detlef Wimmer, damals Vizebürgermeister von Linz (FPÖ), und Michael Raml, damals Abgeordneter zum Bundesrat (FPÖ),⁠129 der heute Sicherheitsstadtrat in Linz ist.⁠130

Das Land selbst hat 2023 in seinem Aktionsplan gegen Extremismus die Einschätzung des Landesamts für Verfassungsschutz veröffentlicht, dass deutschnationale Burschenschaften „politisch im rechten Spektrum angesiedelt“ sind, und dass es „regelmäßig zu strafrechtlichen Verfahren gegen Mitglieder dieser Burschenschaften“ kam und kommt.⁠131 Laut Aktionsplan hat der Verfassungsschutz auch Kontakte deutschnationaler Burschenschaften zur Identitären Bewegung beobachtet, gemeinsame Demonstrationen und personelle Überschneidungen.⁠132 Beschlossen hat diesen Aktionsplan die Landesregierung auf Antrag von Landeshauptmann Stelzer.⁠133

Zur Demonstration gegen den Ball ruft das Bündnis „Linz gegen Rechts“ auf, laut Tips seit mehr als zehn Jahren.⁠134 2014 hat die Polizei etwa 700 Teilnehmende gezählt, das Bündnis sprach von rund 3.000.⁠135 2023 waren es laut Polizei beim Zug durch die Stadt knapp 650,⁠136 2024 laut Polizei je nach Bericht 1.600 oder 1.800,⁠137 und 2025 hat die Polizei 2.800 Teilnehmende gezählt, ohne Ausschreitungen oder besondere Vorfälle.⁠138 2026 waren es laut den Organisator:innen 1.500 Menschen, und laut Polizei verlief die Kundgebung friedlich.⁠139

Ein langer Demonstrationszug mit Fahnen und Transparenten zieht bei Nacht über eine beleuchtete Donaubrücke, dahinter das Ars Electronica Center
Demo gegen den Burschenbundball auf der Nibelungenbrücke, 3. Februar 2024. Foto: Linz gegen Rechts

Laut Innenministerium waren von 2013 bis 2018 insgesamt 1.422 Exekutivbedienstete rund um den Ball im Einsatz, und die Kosten lagen 2013 bei 50.550 Euro und 2018 bei 86.600 Euro.⁠140 Dem Veranstalter dürfen diese Kosten nach geltender Rechtslage nicht vorgeschrieben werden.⁠141

2017 habe ich als damaliger Gemeinderat gemeinsam mit den Grünen OÖ kritisiert, dass das Rektorat der JKU den Ehrenschutz für den Ball übernommen hat, und darauf hingewiesen, dass die beiden FPÖ-Mitglieder der Linzer Stadtregierung der Arminia Czernowitz angehören.⁠142 2024 hat der Dritte Landtagspräsident Peter Binder (SPÖ) bei einer Feier im Lokal eines Linzer SPÖ-Gemeinderats aufgelegt, die auf der Website des Balls als „Ballausklang“ angekündigt war, und SPÖ-Landeschef Michael Lindner hat ihn zu einem klärenden Gespräch zitiert.⁠143 Kritisiert haben wir, dass diese Feier im Lokal eines SPÖ-Gemeinderats stattgefunden hat.⁠144

Helge Langer hält vor dem Palais Kaufmännischer Verein ein grünes Schild mit der Aufschrift „Kein Rechtswalzer in Linz“
Vor dem Palais Kaufmännischer Verein, 27. Jänner 2025. Foto: Die Grünen Linz

„Ein solches Verhalten lässt Zweifel aufkommen, wie ernst es Teilen der SPÖ mit ihrem Einsatz für den Antifaschismus tatsächlich ist.“⁠144

Helge Langer, Klubobmann der Grünen Linz, im Februar 2024

Was heute nachwirkt

2018 hat sich laut Land rund ein Viertel der rechtsextremen Tathandlungen in Oberösterreich in Linz ereignet, und Landeshauptmann Stelzer hat gesagt: „Wir haben das größte Problem mit Rechtsextremismus in Linz.“⁠145 2025 sind in Oberösterreich laut Innenministerium 350 Tathandlungen mit rechtsextremem, rassistischem, islamfeindlichem, antisemitischem oder sonstigem Hintergrund bekannt geworden, nach Wien mit 485 der zweithöchste Wert, und österreichweit waren es 1.986.⁠146 Österreichweit sind das laut Verfassungsschutzbericht um 33,6 Prozent mehr als 2024.⁠147 In Oberösterreich gab es 2025 außerdem 329 Anzeigen nach dem Verbotsgesetz und 64 wegen Verhetzung.⁠148 Der Online-Sender AUF1 mit Sitz in Linz gilt laut Verfassungsschutzbericht 2025 als „das mit Abstand reichweitenstärkste rechtsextreme und heterodox-extremistische Alternativmedium in Österreich“,⁠149 und laut Aktionsplan des Landes richtete sich die besondere Aufmerksamkeit des Staatsschutzes unter anderem auf das „Kastell Aurora“ der Identitären in Steyregg.⁠150

Im Juli 2023 hat die Landesregierung auf Antrag von Landeshauptmann Stelzer den Oö. Aktionsplan gegen Extremismus mit 61 neuen Maßnahmen beschlossen.⁠133 Wir Grüne haben in der Landesregierung nicht zugestimmt und unter anderem einen jährlichen Rechtsextremismusbericht und eine Service- und Beratungsstelle für Aussteiger:innen aus der rechtsextremen Szene gefordert.⁠151 Im selben Monat hat der Landtag einen Antrag von SPÖ und Grünen abgelehnt, den Aktionsplan um Präventions- und Ausstiegsprogramme zu konkretisieren.⁠152

Im Linzer Gemeinderat haben wir schon im Juni 2016 eine Mehrheit für unsere Resolution an den Bund gefunden, ein Ausstiegsprogramm für Menschen aus rechtsextremen Gruppen nach dem Vorbild von EXIT Deutschland zu schaffen, die NEOS haben sich enthalten, die FPÖ hat dagegen gestimmt.⁠153 Mit den Stimmen der ÖVP wurde auch ein Zusatzantrag der FPÖ für ein Ausstiegsprogramm für alle Extremismen beschlossen, und wir haben uns dabei enthalten.⁠154 Im November 2023 haben SPÖ, ÖVP, Grüne, FPÖ, NEOS, MFG und LinzPlus gemeinsam den Dringlichkeitsantrag „Ein klares Zeichen gegen Extremismus und Antisemitismus setzen“ eingebracht, und der Gemeinderat hat ihn einstimmig beschlossen.⁠155 Ich habe dabei gesagt, dass Antisemitismus „nicht bloß eine Angelegenheit irgendeines extremen Randes“ ist.⁠156 „Über 4000 Menschen sind in Linz heute aufgestanden für Demokratie und gegen Rechtsextremismus!“, habe ich im Februar 2024 geschrieben.⁠157 Im Jänner 2026 hat der Gemeinderat einstimmig unseren Antrag „Linz klar gegen Antisemitismus positionieren“ angenommen, Berichterstatter war Tobias Reder, und darin wird der Bürgermeister ersucht, die Erklärung „Mayors United Against Antisemitism“ des American Jewish Committee zu unterzeichnen.⁠158

Helge Langer und eine Frau mit rotem Kopftuch halten am Abend auf dem Linzer Hauptplatz voller Menschen je ein Glas mit einer brennenden Kerze
Hauptplatz, Februar 2024. Foto: Die Grünen Linz

Belege

Weitere Ereignisse Jahr für Jahr stehen in der Chronik.

  1. Mit der Eingemeindung von Ebelsberg und St. Magdalena 1938 verband sich laut Stadtarchiv Hitlers Absicht, seine "Heimat- und Patenstadt" Linz zu einem Industrie-, Verwaltungs- und Kulturzentrum auszubauen; realisiert wurden vor allem Industrieanlagen und Wohnbauten, nicht aber die monumentale Donauuferverbauung und die "Prachtstraße".

    Zeittafel 1938 - 1945 (Archiv der Stadt Linz). Primärquelle. Zitat

  2. Hitler plante laut Stadtarchiv ein Groß-Linz als eine der fünf "Führerstädte" des Großdeutschen Reiches, wo er seinen Alterssitz errichten wollte.

    Zeittafel 1938 - 1945 (Archiv der Stadt Linz). Primärquelle. Zitat

  3. Laut Fritz Mayrhofer (Nationalsozialismus in Linz, 2001) wurden von Hitlers Linz-Plänen in erster Linie die kriegsdienlichen Maßnahmen umgesetzt (Großindustrie, Wohnbau); die Monumentalplanungen für Verwaltungs-, Kultur- und Verkehrszentrum blieben weitestgehend auf dem Papier.

    Kurzfassung "Die Patenstadt des Führers" (Fritz Mayrhofer), Archiv der Stadt Linz. Primärquelle. Zitat

  4. Für das geplante "Führermuseum" in Linz stellte ein "Sonderstab Linz" unter Hans Posse durch Beschlagnahme und "Sicherstellung" vorwiegend jüdischer Sammlungen sowie durch Erwerbungen einen riesigen Bestand zusammen; das Museum blieb Fiktion, die Bilder lagerten in Kellern, Depots und Stollen.

    Kurzfassung "Sonderauftrag Linz" (Birgit Kirchmayr), Archiv der Stadt Linz. Primärquelle. Zitat

  5. Hitler bestellte im März 1939 den Münchner Architekten Roderich Fick zum "Reichsbaurat für die Neugestaltung der Stadt Linz"; Fick plante die Brückenkopfgebäude (mit Anton Estermann) und das Wasserstraßenamt, heute Heinrich-Gleißner-Haus, als erste und einzige realisierte Neugestaltungsmaßnahmen.

    Erste Bautätigkeit am Hauptplatz (Forum OÖ Geschichte, Dokumentation der Nordico-Ausstellung "Hitlerbauten in Linz" 2012/13, Autorin Sylvia Necker). Medienbericht oder Studie. Zitat

  6. Für die Neugestaltung wurde das Stauberhaus am Hauptplatz abgerissen und die alte Donaubrücke durch die Nibelungenbrücke der Ingenieure Friedrich Tamms und Karl Schaechterle ersetzt; am Hauptplatz entstand zugleich ein Bunker vor allem für die NS-Parteiführung.

    Erste Bautätigkeit am Hauptplatz (Forum OÖ Geschichte, Autorin Sylvia Necker). Medienbericht oder Studie. Zitat

  7. Die heutige WAG hält in ihrer Firmenchronik fest, dass beim Bau der Nibelungenbrücke nachweislich und auch in WAG-Siedlungen Granitsteine verbaut wurden, die Zwangsarbeiter im Steinbruch Mauthausen abgebaut hatten.

    Wohn(ge)schichten. 75 Jahre WAG 1938–2013. Primärquelle. Zitat

  8. Ob KZ-Häftlinge aus Mauthausen Rohstoffe für die Brückenkopfgebäude abbauen oder an deren Bau selbst arbeiten mussten, ist laut Kunstuniversität Linz bis heute umstritten; Linz09 schrieb dagegen 2009, die Gebäude seien von Zwangsarbeitern des KZ Mauthausen gebaut worden.

    ALT_PARK (Kunstuniversität Linz, Studienprojekt 2021/22). Medienbericht oder Studie. Zitat

  9. In Linz sollten in der NS-Zeit 18 neue Siedlungen gebaut werden; bis 1943 wurden 7.754 Wohnungen fertiggestellt, wobei die Ausstellungsdokumentation festhält, dass der Ausbau zum Industriestandort zugleich neue Wohnungsnot schuf.

    Wohnungen für die „Volksgemeinschaft“ (Forum OÖ Geschichte, Autorin Sylvia Necker). Medienbericht oder Studie. Zitat

  10. Die beiden größten Bauträger des NS-Wohnbaus in Linz waren die Wohnungs-AG der Reichswerke Hermann Göring (heute WAG) und die Stadt- und Wohnungsgesellschaft der Stadt Linz (heute GWG); 1938 begann der Bau der Siedlungen Spallerhof, Wimhölzl und Keferfeld.

    Wohnungen für die „Volksgemeinschaft“ (Forum OÖ Geschichte, Autorin Sylvia Necker). Medienbericht oder Studie. Zitat

  11. Die WAG wurde laut eigener Chronik am 9. Juni 1938 als Wohnungsaktiengesellschaft der Reichswerke Hermann Göring gegründet, war bis Kriegsende nach eigener Aussage Teil des verbrecherischen NS-Systems und stellte bis 1944 über 8.000 Wohnungen fertig.

    Wohn(ge)schichten. 75 Jahre WAG 1938–2013. Primärquelle. Zitat

  12. Am 13. Mai 1938 erfolgte in Linz-St. Peter der Spatenstich für die Reichswerke "Hermann Göring"; die rund 4.500 Bewohner von St. Peter-Zizlau wurden in andere Stadtteile umgesiedelt.

    Historie 1938-1945: Der Standort Linz der Reichswerke AG „Hermann Göring“ Berlin (voestalpine). Primärquelle. Zitat

  13. Die Eisenwerke Oberdonau GmbH, gegründet am 25. April 1939, nahm 1940/41 die Panzerteil-Erzeugung auf und wurde laut voestalpine später zum größten deutschen Panzerwerk.

    Historie 1938-1945 (voestalpine). Primärquelle. Zitat

  14. Laut voestalpine-Zeitgeschichte-Museum wurden beim Aufbau und Betrieb der Reichswerke Hermann Göring in Linz zigtausende ausländische Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter aus mehr als dreißig Nationen eingesetzt, darunter Jugendliche und Kinder; 1943 kam jeder dritte Beschäftigte im Gau Oberdonau aus dem Ausland.

    Einführung und Motivation (voestalpine Zeitgeschichte MUSEUM). Primärquelle. Zitat

  15. Der Beschäftigtenstand der Linzer Göring-Werke erreichte 1944 seinen Höhepunkt; der Ausländeranteil (ohne Kriegsgefangene und KZ-Häftlinge) betrug durchschnittlich zwei Drittel, in einzelnen Betriebsteilen wie der Schmiede mehr als 90 Prozent; etwas mehr als zehn Prozent der ausländischen Arbeitskräfte waren Frauen.

    Historie 1938-1945 (voestalpine). Primärquelle. Zitat

  16. Über fast das gesamte Linzer Stadtgebiet verteilt gab es 77 Lager für Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter.

    Lager für ZwangsarbeiterInnen (Archiv der Stadt Linz). Primärquelle. Zitat

  17. Laut Walter Schuster betrieb die Linzer Stadtverwaltung in der NS-Zeit aktiv die Rekrutierung, Beaufsichtigung und Disziplinierung ausländischer Arbeiterinnen und Arbeiter.

    Kurzfassung "Aspekte nationalsozialistischer Kommunalpolitik" (Walter Schuster), Archiv der Stadt Linz. Primärquelle. Zitat

  18. In Linz wurden bis Mitte 1944 drei Außenlager des KZ Mauthausen eingerichtet; das erste (bis zu 1.000 Häftlinge) entstand Ende 1942 zur Verwertung der Hochofenschlacke der Reichswerke, deren Gewinne sich Reichswerke und SS teilten.

    Kurzfassung "Nationalsozialistische Konzentrationslager in Linz" (Bertrand Perz), Archiv der Stadt Linz. Primärquelle. Zitat

  19. Das Lager Linz II entstand im Frühjahr 1944 auf direkten Wunsch Hitlers für den Ausbau der Luftschutzstollen beim Märzenkeller; die ca. 380 Häftlinge waren direkt in den Stollen untergebracht.

    Kurzfassung "Nationalsozialistische Konzentrationslager in Linz" (Bertrand Perz), Archiv der Stadt Linz. Primärquelle. Zitat

  20. Im Lager Linz III für die Hütte und die Panzerproduktion der Eisenwerke Oberdonau befanden sich im Herbst 1944 über 5.600 Häftlinge; in den drei Linzer Lagern kamen insgesamt über 800 Häftlinge ums Leben.

    Kurzfassung "Nationalsozialistische Konzentrationslager in Linz" (Bertrand Perz), Archiv der Stadt Linz. Primärquelle. Zitat

  21. Helmut Fiereder weist 3.863 Überlebende der Linzer KZ-Lager aus und schätzt die Gesamtzahl der Häftlinge der Linzer Lager auf etwa 7.500 bis 8.000; die genaue Zahl der Opfer ist unbekannt.

    Kurzfassung "Die Häftlinge in den Konzentrationslagern Linz I/III und Linz II" (Helmut Fiereder), Archiv der Stadt Linz. Primärquelle. Zitat

  22. Laut Volkszählungen lebten in Linz 1900 702, 1923 931 und 1934 671 Jüdinnen und Juden; 1951 wurden 54 gezählt.

    Kurzfassung "Bereits heute schon ganz judenfrei..." (Michael John), Archiv der Stadt Linz. Primärquelle. Zitat

  23. Die Linzer Synagoge in der Bethlehemstraße wurde in der Pogromnacht 1938 von SA und SS geplündert und angezündet; der jüdische Friedhof wurde entweiht und als Schrebergartensiedlung verwendet.

    Orte der NS-Verfolgung (Archiv der Stadt Linz). Primärquelle. Zitat

  24. Die Stadt Linz kennt laut Medienservice (Dezember 2025) 321 jüdische Opfer des Nationalsozialismus aus Linz, von denen 200 den NS-Terror nicht überlebten; der Großteil der Ermordeten wurde ab 1942 zuerst nach Theresienstadt deportiert, viele danach in Auschwitz ermordet.

    Informationsunterlage zur Pressekonferenz Erinnerungszeichen 2025 (Medienservice der Stadt Linz, 5.12.2025). Primärquelle. Zitat

  25. Die Heil- und Pflegeanstalt Niedernhart in Linz war ein Ort der NS-Euthanasie-Aktion "T4" sowie der dezentralen Euthanasie und diente als Zwischenstation für die Tötungsanstalt Hartheim.

    Orte der NS-Verfolgung (Archiv der Stadt Linz). Primärquelle. Zitat

  26. Der Linzer Gemeinderat beschloss am 19. September 1996 einstimmig, die Zeit des Nationalsozialismus in Linz umfassend wissenschaftlich aufarbeiten zu lassen.

    Zeittafel 1984 - 2000 (Archiv der Stadt Linz). Primärquelle. Zitat

  27. Der Auftrag von 1996 umfasste die NS-Zeit 1938 bis 1945 einschließlich der Vorgeschichte vor 1938 und der Entnazifizierung nach 1945; laut Stadt behandelten 50 Historikerinnen und Historiker alle relevanten Aspekte.

    Aufarbeitung Nationalsozialismus in Linz (Archiv der Stadt Linz). Primärquelle. Zitat

  28. Bürgermeister Franz Dobusch und Stadtrat Reinhard Dyk präsentierten am 29. Mai 2001 die Ergebnisse des Projekts "Nationalsozialismus in Linz".

    Zeittafel 21. Jahrhundert (Archiv der Stadt Linz). Primärquelle. Zitat

  29. Die Publikation "Nationalsozialismus in Linz" (Hg. Fritz Mayrhofer und Walter Schuster, Linz 2001) umfasst 2 Bände mit insgesamt 1.754 Seiten.

    Nationalsozialismus in Linz (Archiv der Stadt Linz). Primärquelle. Zitat

  30. Laut Archiv der Stadt Linz liegt ein wesentlicher Schwerpunkt der Studie von 2001 im Aufzeigen personeller und mentaler Kontinuitäten zwischen der NS-Zeit und der Zeit nach 1945.

    Nationalsozialismus in Linz (Archiv der Stadt Linz). Primärquelle. Zitat

  31. Die Ausstellung "Kulturhauptstadt des Führers" (Kuratorin Birgit Kirchmayr) lief vom 17. September 2008 bis 29. März 2009 im Linzer Schlossmuseum, hatte laut Linz09 62.000 Besucherinnen und Besucher und wurde wegen des Andrangs um eine Woche verlängert.

    "Kulturhauptstadt des Führers" (Linz09 Projektseite). Primärquelle. Zitat

  32. Das Linz09-Projekt IN SITU markierte 2009 mit Schablonen und Sprühfarbe 65 Orte des NS-Terrors in Linz auf dem Gehsteig.

    Linz and Its History (Linz09, 30.12.2009). Primärquelle. Zitat

  33. Luger bezeichnete Linz 2018 im Gemeinderat als Stadt, "die immerhin die Patenstadt des größten Massenmörders der Geschichte bislang gewesen ist".

    Wortprotokoll-Auszug 28. Gemeinderatssitzung 25.10.2018, TOP J7, 25. Oktober 2018. Primärquelle. Zitat

  34. Nach Langoths Tod 1953 hielt Bürgermeister Ernst Koref im Linzer Gemeinderat eine Gedenkrede; 1973 benannte Linz die "Langothstraße", 1986 wurde sie in "Kaisergasse" umbenannt.

    Kurzbiografie Franz Langoth (Archiv der Stadt Linz). Primärquelle. Zitat

  35. Franz Langoth war 1940 bis 1944 Richter am Volksgerichtshof (118 Schuldsprüche, davon 41 Todesurteile), SS-Brigadeführer und 1944 bis 1945 Oberbürgermeister von Linz; 1950 wurde er vom Bundespräsidenten amnestiert, eine Anklage gab es nie.

    Kurzbiografie Franz Langoth (Archiv der Stadt Linz). Primärquelle. Zitat

  36. Laut Archiv der Stadt Linz genoss Langoth trotz unveränderter Gesinnung nach 1945 bei Politikern von SPÖ und ÖVP großes Ansehen und galt als "guter Nazi"; diese "fatale Einstellung" führte 1973 zur Benennung der Langothstraße.

    Mythos Langoth (1953 - 1986) (Archiv der Stadt Linz). Primärquelle. Zitat

  37. Nach 1945 gab es in Linz abseits der ersten Nachkriegsphase nur sehr wenige Umbenennungen; 2001 wurde die Baumgärtelstraße umgewidmet, nachdem bekannt wurde, dass ihr Namensgeber Hauptstellenleiter im Gaupresseamt Oberdonau war.

    Bericht der Linzer Straßennamenkommission (2022), 2022. Primärquelle. Zitat

  38. Am 11. April 2019 berichtete Gemeinderat Helge Langer (Grüne) im Linzer Gemeinderat über den gemeinsamen Antrag von Grünen und KPÖ „Aufarbeitung Franz Dinghofer und Erläuterungstafeln für die Dinghoferstraße“.

    Wortprotokoll 33. Sitzung des Gemeinderates Linz, 11.4.2019, 11. April 2019. Primärquelle. Zitat

  39. Langer begründete den Antrag 2019 mit einer Anfrage des Mauthausen Komitees beim Bundesarchiv in Berlin, die Dinghofers NSDAP-Mitgliedschaft ergeben habe.

    Wortprotokoll 33. Sitzung des Gemeinderates Linz, 11.4.2019, 11. April 2019. Primärquelle. Zitat

  40. Der Grün-KPÖ-Antrag vom April 2019 forderte, die Straßenschilder der Dinghoferstraße mit erläuternden Zusatztafeln zu versehen; eine Umbenennung forderte er nicht.

    Wortprotokoll 33. Sitzung des Gemeinderates Linz, 11.4.2019, 11. April 2019. Primärquelle. Zitat

  41. Bürgermeister Luger erklärte 2019 im Gemeinderat, Franz Dinghofers NSDAP-Mitgliedschaft sei bereits 2011 in der Archivpublikation "Biografien und Zäsuren" auf Seite 62 erwähnt worden; Dinghofer sei der NSDAP als 67-jähriger Pensionist freiwillig beigetreten.

    Wortprotokoll-Auszug 33. Gemeinderatssitzung 11.4.2019, TOP L7, 11. April 2019. Primärquelle. Zitat

  42. Am 11. April 2019 beantragten die Grünen im Gemeinderat erläuternde Zusatztafeln für die Dinghoferstraße; Bürgermeister Luger schlug vor, „sehr rasch eine Zusatztafel“ mit Hinweis auf die NSDAP-Mitgliedschaft anzubringen. Der Antrag wurde einstimmig dem Ausschuss für Finanzen, Innovation und Verfassung zugewiesen.

    Wortprotokoll-Auszug 33. Gemeinderatssitzung 11.4.2019, TOP L7 Aufarbeitung Franz Dinghofer und Erläuterungstafeln für die Dinghoferstraße, 11. April 2019. Primärquelle. Zitat

  43. Am 4. Juli 2019 beschloss der Linzer Gemeinderat einstimmig, das Archiv der Stadt Linz mit der Überprüfung aller Linzer Straßennamen zu beauftragen. Der Beschluss änderte den Grün-KPÖ-Antrag vom 25. März 2019 ab.

    Wortprotokoll 35. Sitzung des Gemeinderates Linz, 4.7.2019, 4. Juli 2019. Primärquelle. Zitat

  44. Der Linzer Gemeinderat beschloss am 4. Juli 2019 einstimmig eine umfassende Untersuchung der Linzer Straßennamen durch das Archiv der Stadt Linz und eine Kommission aus internen und externen Expertinnen und Experten.

    Wortprotokoll-Auszug 35. Gemeinderatssitzung 4.7.2019, TOP G1 Untersuchung der Linzer Straßennamen, 4. Juli 2019. Primärquelle. Zitat

  45. Luger stellte am 4. Juli 2019 im Gemeinderat fest, die Straßennamen-Prüfung gehe auf einen Antrag von Grünen und KPÖ zu Dinghofer zurück.

    Wortprotokoll 35. Sitzung des Gemeinderates Linz, 4.7.2019, 4. Juli 2019. Primärquelle. Zitat

  46. Bürgermeister Klaus Luger stellte am 4. Juli 2019 klar, dass die Kommission keine Empfehlungsliste für Umbenennungen liefern solle, sondern die Entscheidung den politischen Gremien vorbehalten bleibe.

    Wortprotokoll-Auszug 35. Gemeinderatssitzung 4.7.2019, TOP G1, 4. Juli 2019. Primärquelle. Zitat

  47. Langer (Grüne) kritisierte 2019 die kurze Laufzeit der Kommission: Graz habe sich etwa vier Jahre genommen, Salzburg fünf, Linz zwei.

    Wortprotokoll 35. Sitzung des Gemeinderates Linz, 4.7.2019, 4. Juli 2019. Primärquelle. Zitat

  48. Für die Straßennamen-Kommission waren laut Beschluss vom 4. Juli 2019 Kosten für externe Expertinnen und Experten von maximal 10.000 Euro jährlich vorgesehen; der Endbericht war für 30. Juni 2021 angesetzt.

    Wortprotokoll-Auszug 35. Gemeinderatssitzung 4.7.2019, TOP G1, 4. Juli 2019. Primärquelle. Zitat

  49. Linz hatte zum Zeitpunkt des Straßennamenberichts 1158 Verkehrsflächen, davon 566 nach Personen benannt.

    Bericht der Linzer Straßennamenkommission (2022), 2022. Primärquelle. Zitat

  50. Die Straßennamen-Kommission untersuchte 96 Personen anhand einer Biographie. 64 davon ordnete sie einer der Belastungskategorien 1 bis 3 zu: 4 in Kategorie 1, 21 in Kategorie 2 und 39 in Kategorie 3.

    Einstufung im Linzer Straßennamenbericht (Archiv der Stadt Linz), 2022. Primärquelle. Zitat

  51. Kategorie 1 des Linzer Straßennamenberichts umfasst aktives Handeln und extrem starke Propagierung gruppenspezifischer Menschenfeindlichkeit, Ablehnung der Demokratie und Beteiligung an Verbrechen gegen die Menschlichkeit.

    Einstufung im Linzer Straßennamenbericht, 2022. Primärquelle. Zitat

  52. In Kategorie 1 (am stärksten belastet) stufte die Kommission Bischof Johannes Maria Gföllner, Komponist Hans Pfitzner, Autokonstrukteur Ferdinand Porsche und Unterhaltungskünstler Franz Resl ein.

    Untersuchung der Linzer Straßennamen (Stadtgeschichte Linz), 28. Oktober 2026. Primärquelle. Zitat

  53. Kategorie 2 des Linzer Straßennamenberichts bedeutet eine "stabile Spur im Erwachsenenleben", etwa Funktionen in Parteien und Organisationen, zu deren Wesenskern Rassismus, Antisemitismus oder antidemokratische Einstellung gehören.

    Einstufung im Linzer Straßennamenbericht, 2022. Primärquelle. Zitat

  54. In Kategorie 2 des Linzer Straßennamenberichts stehen unter anderem Franz Dinghofer, Heinrich Gleißner, Julius Raab, Herbert von Karajan, Franz Stelzhamer und Richard Wagner.

    Einstufung im Linzer Straßennamenbericht, 2022. Primärquelle. Zitat

  55. Die Kommission stellte fest, dass kein untersuchter Fall in Problematik und Dimension mit der 1986 umbenannten Langothstraße vergleichbar war.

    Bericht der Linzer Straßennamenkommission (2022), 2022. Primärquelle. Zitat

  56. Die Kommission untersuchte 96 Personen mit einer Biographie und wies 64 davon einer der drei Belastungskategorien zu.

    Untersuchung der Linzer Straßennamen (Stadtgeschichte Linz), 28. Oktober 2026. Primärquelle. Zitat

  57. Die vier Umbenennungen sind umgesetzt: Porscheweg wurde Wittgensteinweg, Gföllnerstraße wurde Sterneggstraße, Pfitznerstraße wurde Nauheimerstraße, Reslweg wurde Meinhartweg.

    Erneute Forderung nach Umbenennung der Linzer Dinghoferstraße (Tips), 29. Juli 2026. Medienbericht oder Studie. Zitat

  58. Nach der Vorlage des Berichts im November 2022 verlangten die Linzer Grünen, zumindest die vier nach Personen der Kategorie 1 benannten Straßen umzubenennen. Über die 21 Personen der Kategorie 2 sei noch zu beraten.

    Grüne, KPÖ und NEOS sprechen sich für Umbenennung von historisch belasteten Straßen aus (Tips), 10. November 2022. Medienbericht oder Studie. Zitat

  59. Helge Langer sagte im November 2022, wer das größte Verbrechen gegen die Menschheit im 20. Jahrhundert aktiv unterstützt und gegen die jüdische Bevölkerung gehetzt habe, dürfe in Linz keinen Platz im öffentlichen Raum haben.

    Grüne, KPÖ und NEOS sprechen sich für Umbenennung von historisch belasteten Straßen aus (Tips), 10. November 2022. Medienbericht oder Studie. Zitat

  60. Im Dezember 2022 beschloss der Linzer Stadtsenat mehrheitlich, Porscheweg, Gföllnerstraße, Pfitznerstraße und Reslweg umzubenennen. Die Kosten für Betroffene übernimmt die Stadt.

    Fix: Linz benennt diese vier problematischen Straßennamen um (Tips), 22. Dezember 2022. Medienbericht oder Studie. Zitat

  61. Die FPÖ stimmte den vier Umbenennungen im Stadtsenat nicht zu und wollte stattdessen gut sichtbare Zusatzinformationen zu den Namensgebern.

    Fix: Linz benennt diese vier problematischen Straßennamen um (Tips), 22. Dezember 2022. Medienbericht oder Studie. Zitat

  62. Die Gföllnerstraße (1956 bis 2023) heißt seit 2023 Sterneggstraße, nach Ernestine von Sternegg, Gründerin des Linzer Elisabethinenklosters.

    Linzer Straßenverzeichnis: Sterneggstraße, 28. Oktober 2026. Primärquelle. Zitat

  63. Die Pfitznerstraße (1957 bis 2023) heißt seit 2023 Nauheimerstraße, nach der Frauenrechtlerin und Lehrervertreterin Stefanie Nauheimer.

    Linzer Straßenverzeichnis: Nauheimerstraße, 28. Oktober 2026. Primärquelle. Zitat

  64. Der Reslweg (1955 bis 2023) heißt seit 2023 Meinhartweg, nach Marianne Meinhart, der ersten Dekanin Österreichs an der Johannes Kepler Universität.

    Linzer Straßenverzeichnis: Meinhartweg, 28. Oktober 2026. Primärquelle. Zitat

  65. Grünen-Stadträtin Eva Schobesberger begrüßte im Februar 2023 die vom Archiv der Stadt Linz vorgeschlagenen neuen Straßennamen. Nur 48 der 1.157 Linzer Straßen seien nach Frauen benannt.

    Historisch belastete Verkehrswege: So sollen die Straßen künftig heißen (Tips), 28. Februar 2023. Medienbericht oder Studie. Zitat

  66. Laut Stadt Linz sollten die 92 weniger belasteten Straßennamen nur in überarbeiteten Publikationen und Online-Medien kommentiert, aber nicht umbenannt werden.

    Fix: Linz benennt diese vier problematischen Straßennamen um (Tips), 22. Dezember 2022. Medienbericht oder Studie. Zitat

  67. Die Dinghoferstraße trägt im offiziellen Straßenverzeichnis weiterhin den Namen des Linzer Bürgermeisters und Ehrenbürgers Franz Dinghofer; der Eintrag verlinkt online auf Biographie und Einstufung im Straßennamenbericht.

    Linzer Straßenverzeichnis: Dinghoferstraße, 28. Oktober 2026. Primärquelle. Zitat

  68. Am 10. Dezember 2025 brachten KPÖ und Grüne gemeinsam den Antrag „Prüfung Umbenennung Dinghoferstraße und Aberkennung Ehrenbürgerschaft“ ein. Anlass war das Dinghofer-Symposium, das FPÖ-Nationalratspräsident Walter Rosenkranz am 11. November 2025 im Parlament veranstaltete.

    Wortprotokoll 34. Sitzung des Gemeinderates Linz, 10.12.2025, 10. Dezember 2025. Primärquelle. Zitat

  69. Den zweiten Antragspunkt, die Aberkennung von Dinghofers Ehrenbürgerschaft, ließ Berichterstatterin Grünn (KPÖ) fallen. Laut Magistratsdirektion kann nur der Gemeinderat mit Dreiviertelmehrheit eine Ehrenbürgerschaft aberkennen, nicht der Bürgermeister.

    Wortprotokoll 34. Sitzung des Gemeinderates Linz, 10.12.2025, 10. Dezember 2025. Primärquelle. Zitat

  70. Langer sagte im Dezember 2025 zum Dinghofer-Antrag: „Für einen antisemitischen NSDAP-Mann ist hier kein Platz mehr.“ Der Antrag öffne die Arbeit der Kommission nicht neu, sondern verlange eine politische Entscheidung.

    Wortprotokoll 34. Sitzung des Gemeinderates Linz, 10.12.2025, 10. Dezember 2025. Primärquelle. Zitat

  71. Bürgermeister Dietmar Prammer (SPÖ) begründete die SPÖ-Enthaltung damit, dass sich zu Dinghofer seit dem Kommissionsbericht historisch nichts Neues ergeben habe. Der Stadtsenat habe auf Rat der Kommission nur Kategorie 1 umbenannt.

    Wortprotokoll 34. Sitzung des Gemeinderates Linz, 10.12.2025, 10. Dezember 2025. Primärquelle. Zitat

  72. NEOS-Gemeinderat Stefan Burgstaller kündigte 2025 an, dem Dinghofer-Antrag von KPÖ und Grünen zuzustimmen.

    Wortprotokoll 34. Sitzung des Gemeinderates Linz, 10.12.2025, 10. Dezember 2025. Primärquelle. Zitat

  73. Der Dinghofer-Antrag wurde am 10. Dezember 2025 mehrheitlich abgelehnt, weil sich SPÖ (21), ÖVP (9) und FPÖ (9) enthielten.

    Wortprotokoll 34. Sitzung des Gemeinderates Linz, 10.12.2025, 10. Dezember 2025. Primärquelle. Zitat

  74. Eine Stimmenthaltung ist im Linzer Gemeinderat laut § 19 Abs. 1 StL. 1992 zulässig und gilt als Ablehnung des Antrages.

    Statut für die Landeshauptstadt Linz 1992, Fassung vom 27.10.2026 (RIS), 27. Oktober 2026. Primärquelle.

  75. Im Juli 2026 schlugen Mauthausen Komitee, Katholische Aktion OÖ und das OÖ. Netzwerk gegen Rassismus und Rechtsextremismus in einem offenen Brief an Bürgermeister Prammer vor, die Dinghoferstraße nach Altbischof Maximilian Aichern zu benennen. Grüne und KPÖ begrüßten das.

    Erneute Forderung nach Umbenennung der Linzer Dinghoferstraße (Tips), 29. Juli 2026. Medienbericht oder Studie. Zitat

  76. Das Büro von Bürgermeister Prammer erklärte im Juli 2026, eine isolierte Umbenennung der Dinghoferstraße ohne neue historische Erkenntnisse würde die Systematik der Untersuchung infrage stellen; eine Benennung nach Altbischof Aichern komme wegen einer dreijährigen Cooling-off-Phase frühestens 2029 in Betracht.

    Erneute Forderung nach Umbenennung der Linzer Dinghoferstraße (Tips), 29. Juli 2026. Medienbericht oder Studie. Zitat

  77. Die Stadt Salzburg hat 1.156 benannte Verkehrsflächen, davon 566 nach Einzelpersonen; 44 Namensgeber waren nachweislich NSDAP-Mitglieder.

    Stadt Salzburg: Nach NS-belasteten Personen benannte Straßen in der Stadt Salzburg, 28. Oktober 2026. Primärquelle. Zitat

  78. Der Salzburger Gemeinderat beschloss im Februar 2013, sämtliche nach Personen benannte Verkehrsflächen mit einer Erläuterungstafel zu versehen.

    Stadt Salzburg: Nach NS-belasteten Personen benannte Straßen in der Stadt Salzburg, 28. Oktober 2026. Primärquelle. Zitat

  79. In Wien stufte eine Historikerkommission unter Oliver Rathkolb 2013 rund 170 von 4.300 personenbezogenen Straßennamen als problematisch ein, 28 davon mit intensivem Diskussionsbedarf; für diese 28 ließ die Stadt Zusatztafeln erstellen.

    Stadt Wien: Zusatztafel für historisch belastete Straßennamen, 28. Oktober 2026. Primärquelle. Zitat

  80. Wien hat für Ferdinand Porsche eine Zusatztafel statt einer Umbenennung gewählt, die auf NSDAP- und SS-Mitgliedschaft, Zwangsarbeit und NS-Rüstungsindustrie hinweist; in Linz wurde der Porscheweg 2023 in Wittgensteinweg umbenannt.

    Stadt Wien: Zusatztafel für historisch belastete Straßennamen, 28. Oktober 2026. Primärquelle. Zitat

  81. Am 4. Juli 2013 beantragten die Grünen (Berichterstatterin Edith Schmied), in Linz das Projekt „Stolpersteine“ umzusetzen. Der Antrag wurde bei Enthaltung von ÖVP (16) und FPÖ (9) dem Stadtsenat zugewiesen.

    Wortprotokoll 36. Sitzung des Gemeinderates Linz, 4.7.2013, 4. Juli 2013. Primärquelle. Zitat

  82. Die FPÖ enthielt sich 2013 beim Stolpersteine-Antrag und berief sich auf die Kritik von Charlotte Knobloch, Namen von Opfern würden im Boden „mit Füßen getreten“.

    Wortprotokoll 36. Sitzung des Gemeinderates Linz, 4.7.2013, 4. Juli 2013. Primärquelle. Zitat

  83. Am 25. Oktober 2018 beantragten die Grünen (Berichterstatter Langer), dass Kulturreferentin Lang-Mayerhofer gemeinsam mit dem Kulturdirektor die Gespräche mit der Israelitischen Kultusgemeinde fortsetzt, um „Stolpersteine“ oder ein in der Charakteristik gleiches Projekt im Gedenkjahr 2018 in Planung zu bringen. Die Zuweisung an den Kulturausschuss lehnte der Gemeinderat bei Enthaltung von SPÖ (20) und FPÖ (15) ab, den Antrag selbst bei Enthaltung von SPÖ (20), FPÖ (15) und ÖVP (10).

    Wortprotokoll 28. Sitzung des Gemeinderates Linz, 25.10.2018, 25. Oktober 2018. Primärquelle. Zitat

  84. Der Antrag der Grünen, das Projekt "Stolpersteine" oder ein gleichartiges Projekt in Linz umzusetzen, wurde am 25. Oktober 2018 im Gemeinderat abgelehnt; schon die Zuweisung an den Kulturausschuss scheiterte (Enthaltung SPÖ, FPÖ), beim Antrag selbst enthielten sich SPÖ, FPÖ und ÖVP.

    Wortprotokoll-Auszug 28. Gemeinderatssitzung 25.10.2018, TOP J7 Projekt "Stolpersteine" in Linz umsetzen, 25. Oktober 2018. Primärquelle. Zitat

  85. Luger begründete die SPÖ-Ablehnung 2018 so: Die SPÖ wolle das Projekt Stolpersteine nicht und entwickle mit der Kultusgemeinde andere Projekte.

    Wortprotokoll 28. Sitzung des Gemeinderates Linz, 25.10.2018, 25. Oktober 2018. Primärquelle. Zitat

  86. FPÖ-Gemeinderat Günther Kleinhanns bezeichnete die Stolpersteine 2018 im Gemeinderat als "Erziehungsversuch mittels patentierter Messingplättchen".

    Wortprotokoll-Auszug 28. Gemeinderatssitzung 25.10.2018, TOP J7, 25. Oktober 2018. Primärquelle. Zitat

  87. Der Klub der Grünen im Linzer Gemeinderat betreibt seit 2018 die Plattform „Stolpersteine für Linz“ (stolpersteine-linz.at) mit einer Petition, das Projekt Stolpersteine von Gunter Demnig auch in Linz umzusetzen; bis Oktober 2026 haben 2.437 Menschen unterschrieben. Die Plattform versteht sich als überparteilicher Zusammenschluss mit einem Personenkomitee.

    Plattform Stolpersteine für Linz (Herausgeberin: Klub der Grünen im Linzer Gemeinderat), 28. Oktober 2026. Primärquelle. Zitat

  88. Am 24. Jänner 2019 beschloss der Gemeinderat einstimmig 90.000 Euro für „Erinnerungszeichen für NS-Opfer in Linz“, davon 10.000 Euro 2019 und 80.000 Euro 2020. Luger hatte sie als Alternative zu den Stolpersteinen entwickeln lassen.

    Wortprotokoll 31. Sitzung des Gemeinderates Linz, 24.1.2019, 24. Jänner 2019. Primärquelle. Zitat

  89. Langer (Grüne) sagte im Jänner 2019, mit dem dauerhaften, individualisierten Gedenkprojekt werde eine langjährige Forderung der Grünen umgesetzt. Die zivilgesellschaftliche Einbindung in der Planung vermisse er.

    Wortprotokoll 31. Sitzung des Gemeinderates Linz, 24.1.2019, 24. Jänner 2019. Primärquelle. Zitat

  90. 2019 war geplant, in einem ersten Schritt im Jahr 2020 rund 20 Erinnerungsstelen aufzustellen; tatsächlich wurden die ersten Stelen erst im September 2022 eingeweiht.

    Erinnerungszeichen für NS-Opfer im öffentlichen Raum (Tips), 21. November 2019. Medienbericht oder Studie. Zitat

  91. Die zehnköpfige Jury wählte für die Linzer Erinnerungszeichen den Entwurf "Erinnern..." von Andreas Strauss mit mechanischen Türklingeln; die ersten Stelen wurden im September 2022 eingeweiht.

    Medienservice Stadt Linz: Informationsunterlage Pressekonferenz Erinnerungszeichen 2025 (5.12.2025), 5. Dezember 2025. Primärquelle. Zitat

  92. Helge Langer war am 15. September 2022 bei der Errichtung und Einweihung des Erinnerungszeichens am Standort Alter Markt in der Linzer Altstadt dabei.

    Instagram @helgelanger, Beitrag vom 15. September 2022, 15. September 2022. Grüne Quelle. Zitat

  93. Im Dezember 2024 standen Erinnerungsstelen an 22 Standorten für 194 jüdische Holocaust-Opfer; der Gemeinderat genehmigte einstimmig bis zu 18 weitere Stelen mit maximal 120.000 Euro für 2024 und 2025.

    Wortprotokoll-Auszug 26. Gemeinderatssitzung 12.12.2024, TOP M3 Erinnerungszeichen 2. Umsetzungsetappe, 12. Dezember 2024. Primärquelle. Zitat

  94. Im Gedenkjahr 2025 errichtete die Stadt Linz 17 weitere Messingstelen. Damit gibt es 39 Erinnerungszeichen für 321 jüdische NS-Opfer, von denen 200 den NS-Terror nicht überlebten.

    Medienservice Stadt Linz: Informationsunterlage PK Erinnerungszeichen 2025, 5. Dezember 2025. Primärquelle. Zitat

  95. Mit 17 neuen Stelen 2025 gibt es in Linz 39 Erinnerungszeichen; das Projekt "Linz erinnert" gedenkt damit 321 jüdischer NS-Opfer, von denen 200 den NS-Terror nicht überlebten. Die Stadt bezeichnet dies als vorläufigen Abschluss.

    Medienservice Stadt Linz: Informationsunterlage Pressekonferenz Erinnerungszeichen 2025 (5.12.2025), 5. Dezember 2025. Primärquelle. Zitat

  96. Das Web-Memorial linzerinnert.at der Stadt Linz verzeichnet 41 Standorte für Erinnerungsstelen. An 39 davon steht eine Stele mit zusammen 321 Namen, für die Standorte Goethestraße und Landstraße sind 13 weitere Namen eingetragen (Stand 28. Oktober 2026).

    Stadt Linz: Linz erinnert, Web-Memorial (Daten der Standorte und Namen), 28. Oktober 2026. Primärquelle. Zitat

  97. Die Linzer Erinnerungszeichen sind vor allem den verfolgten und ermordeten Linzer Jüdinnen und Juden gewidmet; anders als die 2018 beantragten Stolpersteine, die laut Grünen alle Opfergruppen umfassen sollten.

    Erinnerungszeichen für NS-Opfer (Stadtgeschichte Linz), 28. Oktober 2026. Primärquelle. Zitat

  98. Die FPÖ stellte 2015 klar, der Grünen-Antrag vom 29. August 2012 habe ursprünglich „Denkmal für DeserteurInnen aus der Wehrmacht“ geheißen. Sie widersprach der „Umetikettierung“ und enthielt sich.

    Wortprotokoll 55. Sitzung des Gemeinderates Linz, 2.7.2015, 2. Juli 2015. Primärquelle. Zitat

  99. Am 2. Juli 2015 genehmigte der Gemeinderat 50.000 Euro für 2016 für ein „Mahnmal für aktive Gewaltfreiheit“ am Brückenkopf beim Neuen Rathaus. Damit wurde ein Grünen-Antrag von 2012 erledigt.

    Wortprotokoll 55. Sitzung des Gemeinderates Linz, 2.7.2015, 2. Juli 2015. Primärquelle. Zitat

  100. Am 12. April 2018 vergab der Gemeinderat einstimmig das Projekt „Linz 1938/1918“, eine Installation im öffentlichen Raum zum Gedenkjahr 2018, um 115.200 Euro an die Ars Electronica Linz GmbH & Co KG. Langer nannte es die Umsetzung eines korrespondierenden Grünen-Antrags.

    Wortprotokoll 24. Sitzung des Gemeinderates Linz, 12.4.2018, 12. April 2018. Primärquelle. Zitat

  101. Der Gemeinderat beschloss am 13. Dezember 2023 einstimmig ein Übereinkommen mit der Israelitischen Kultusgemeinde, mit dem die Stadt für 20 Jahre die laufende Instandhaltung des jüdischen Friedhofs übernimmt (voraussichtlich 35.000 Euro jährlich).

    18. Gemeinderatssitzung 13.12.2023, Tagesordnung und Ergebnisse, TOP H1, 13. Dezember 2023. Primärquelle. Zitat

  102. Am 22. Jänner 2026 bewilligte der Gemeinderat einstimmig 60.000 Euro (Rechnungsjahre 2026 und 2027) für die Israelitische Kultusgemeinde Linz. Damit werden 116 Grabtafeln für im Zweiten Weltkrieg durch Bomben zerstörte Gräber am Jüdischen Friedhof errichtet.

    Tagesordnung mit Abstimmungsergebnissen, Gemeinderat Linz 22.1.2026, 22. Jänner 2026. Primärquelle. Zitat

  103. Das Denkmal für Frauen im Widerstand gegen das NS-Regime am OK Platz wurde am 17.9.2024 enthüllt; den Wettbewerb dafür initiierte 2021 das Land Oberösterreich.

    Denkmaldatenbank Linz: Denkmal für Frauen* im Widerstand gegen das NS-Regime, 28. Oktober 2026. Primärquelle. Zitat

  104. Die Denkmaldatenbank der Stadt Linz verzeichnet 35 Denkmäler in der Kategorie "Antifaschistische Gedenkstätten".

    Denkmaldatenbank Linz: Kategorie Antifaschistische Gedenkstätten, 28. Oktober 2026. Primärquelle. Zitat

  105. Eine Volltextsuche in der Linzer Denkmaldatenbank nach "Sinti", "Deserteur" und "homosexu" ergab am 28.10.2026 jeweils 0 Treffer.

    Denkmaldatenbank Linz, Volltextsuche, 28. Oktober 2026. Primärquelle. Zitat

  106. Das Archiv der Stadt Linz räumt ein, dass die Verfolgung homosexueller Menschen in der Publikation "Nationalsozialismus in Linz" von 2001 keinen eigenständigen Platz fand; der Stadtsenat beauftragte das Archiv 2023 mit dieser Aufarbeitung, der Band erschien 2026 (276 Seiten).

    Verfolgt, verurteilt, vergessen? (Archiv der Stadt Linz). Primärquelle. Zitat

  107. Der Linzer Stadtsenat genehmigte im August 2023 einstimmig ein Forschungsprojekt zur NS-Verfolgung Homosexueller in Linz; die Ergebnisse sollten bis 2026 in einem Sammelband vorliegen.

    Neues Forschungsprojekt: Historische Aufarbeitung der Homosexuellen-Verfolgung in Linz zur NS-Zeit (Tips), 17. August 2023. Medienbericht oder Studie. Zitat

  108. Das Archiv der Stadt Linz hat den Sammelband „Verfolgt, verurteilt, vergessen? Als homosexuell Angeklagte in den Linzer Gerichtsakten 1938–1945“ herausgegeben; im Oktober 2026 wurde er angekündigt, die öffentliche Präsentation findet am 10. November 2026 im Alten Rathaus statt. Bildungsstadträtin Eva Schobesberger (Grüne) würdigte die Publikation als wichtigen Beitrag zur Erinnerungskultur.

    Linzer Stadtarchiv beleuchtet bisher wenig beachtete Schicksale (Grüne Linz), 22. Oktober 2026. Grüne Quelle. Zitat

  109. Helge Langer war im Mai 2023 gemeinsam mit den Grünen andersrum OÖ bei der internationalen Gedenk- und Befreiungsfeier.

    Instagram @helgelanger, Beitrag vom 7. Mai 2023, 7. Mai 2023. Grüne Quelle. Zitat

  110. Helge Langer (Grüne) nannte im Juli 2025 im Gemeinderat als Beispiele den Limonistollen am Bauernberg und den Rudolfstollen in Urfahr; die Luftschutzstollen seien teilweise oder zur Gänze unter schlimmsten Bedingungen durch die Ausbeutung von KZ-Häftlingen und Zwangsarbeiter:innen errichtet worden.

    Gemeinderat Linz, 31. Sitzung 3.7.2025, Wortprotokoll TOP K2 Gedenkkonzept zu den Linzer Luftschutzstollen, 3. Juli 2025. Primärquelle. Zitat

  111. Am 3. Juli 2025 beantragte Langer (Grüne) ein Gedenkkonzept für die Linzer Luftschutzstollen aus der NS-Zeit, die teils mit KZ-Häftlingen und Zwangsarbeiter*innen gebaut wurden. Vorlage bis spätestens Ende 2025. Der Antrag wurde einstimmig dem Ausschuss für Planung, Liegenschaften und Verfassung zugewiesen.

    Wortprotokoll 31. Sitzung des Gemeinderates Linz, 3.7.2025, 3. Juli 2025. Primärquelle. Zitat

  112. Unser Antrag vom 3. Juli 2025 ersuchte Bürgermeister Prammer zu prüfen, inwieweit die Linzer Luftschutzstollen zugänglich sind oder gemacht werden können, und danach mit Kultur, Stadtplanung, Bildung und Finanzen sowie mit Stadtarchiv, Opferverbänden, Schulen, Universitäten, Zivilgesellschaft, Bundesdenkmalamt, Land und gegebenenfalls Bund ein Gedenkkonzept zu erarbeiten, mit Vorschlägen zu Formaten, Finanzierung, Eigentumsverhältnissen und Wartung. Es sollte bis spätestens Ende 2025 vorliegen, damit im Folgejahr erste Maßnahmen umgesetzt werden können.

    Gemeinderat Linz, 31. Sitzung 3.7.2025, Wortprotokoll TOP K2 Gedenkkonzept zu den Linzer Luftschutzstollen, 3. Juli 2025. Primärquelle. Zitat

  113. Langer nannte als Ziel des Gedenkkonzepts, möglichst viele Menschen zu erreichen, sie emotional und intellektuell anzusprechen und aktiv für Demokratie, Antifaschismus und Menschenrechte zu sensibilisieren, etwa mit Veranstaltungen, pädagogischen Programmen und künstlerischen Projekten.

    Gemeinderat Linz, 31. Sitzung 3.7.2025, Wortprotokoll TOP K2 Gedenkkonzept zu den Linzer Luftschutzstollen, 3. Juli 2025. Primärquelle. Zitat

  114. Bürgermeister Dietmar Prammer (SPÖ) dankte im Juli 2025 für die Initiative, „die ich inhaltlich durchaus teile“, und sprach von einer Verantwortung der Stadt auch als Miteigentümerin diverser Stollen; 2012 hatte die Stadt den Limonistollen für kuratierte Führungen geöffnet.

    Gemeinderat Linz, 31. Sitzung 3.7.2025, Wortprotokoll TOP K2 Gedenkkonzept zu den Linzer Luftschutzstollen, 3. Juli 2025. Primärquelle. Zitat

  115. Prammer hielt die Frist Ende 2025 für das Stollen-Gedenkkonzept für „sehr ambitioniert, vielleicht auch für gar nicht machbar“ und verwies auf ungeklärte Haftungs- und Eigentumsfragen.

    Wortprotokoll 31. Sitzung des Gemeinderates Linz, 3.7.2025, 3. Juli 2025. Primärquelle. Zitat

  116. Helge Langer konnte im Juni 2026 bei einer Führung im Rahmen des Medienkunstfestivals LINZ FMR 26 den sonst verschlossenen Schlossbergstollen besichtigen und schrieb: „Solche Orte sichtbar zu halten, ist Erinnerungsarbeit, die wir brauchen.“

    Instagram @helgelanger, Beitrag vom 7. Juni 2026, 7. Juni 2026. Grüne Quelle. Zitat

  117. Laut eigener Website steht der Burschenbundball unter dem Ehrenschutz des oberösterreichischen Landeshauptmanns sowie anderer Vertreter aus Wissenschaft und Politik; Veranstaltungsort ist das Palais Kaufmännischer Verein, Landstraße 49/Bismarckstraße 1-3 in Linz.

    Burschenbundball (Website des Ballausschusses), 28. Oktober 2026. Primärquelle. Zitat

  118. Laut eigener Website ist der Burschenbundball „die Jahresveranstaltung der in Oberösterreich lebenden Mitglieder von nationalen waffenstudentischen Verbindungen, ihrer Angehörigen und Freunde“; dazu zählen laut Website Burschenschaften, Corps, Sängerschaften, Landsmannschaften und Mittelschulverbindungen (Pennalien).

    Burschenbundball (Website des Ballausschusses), 28. Oktober 2026. Primärquelle. Zitat

  119. Der Burschenbundball findet laut Veranstalter seit 1948 regelmäßig statt und hatte Vorläufer vor 1938; der letzte Vorkriegsball fand am 5. Jänner 1938 in den Sälen des Kaufmännischen Vereins statt.

    Burschenbundball (Website des Ballausschusses), 28. Oktober 2026. Primärquelle. Zitat

  120. Der 75. Burschenbundball fand am Samstag, 1. Februar 2025, im Palais Kaufmännischer Verein statt.

    Burschenbundball in Linz trifft auf Gegendemonstration (Tips), 28. Jänner 2025. Medienbericht oder Studie. Zitat

  121. Der 76. Burschenbundball fand am Samstag, 7. Februar 2026, im Palais Kaufmännischer Verein statt, Beginn 20 Uhr, Eröffnung 20.30 Uhr.

    Linzer BurschenBundBall trifft auf Gegendemonstration (Tips), 4. Februar 2026. Medienbericht oder Studie. Zitat

  122. Landeshauptmann Thomas Stelzer (ÖVP) übernahm auch 2026 den Ehrenschutz für den Burschenbundball.

    Burschenbundball in Linz: FPÖ-Stadtrat zeigt Aufruf "Burschis in die Bälle treten" an (vienna.at/APA), 6. Februar 2026. Medienbericht oder Studie. Zitat

  123. Landeshauptmann Thomas Stelzer (ÖVP) kündigte 2019 in der „ZiB2“ an, den Burschenbundball zu besuchen, „wie auch meine Vorgänger als Landeshauptleute“; der damalige Grüne Landesrat Rudi Anschober nannte das „kein gutes Zeichen“.

    Rechtsextremen-Ball: Kritik an Teilnahme von Oberösterreichs Landeshauptmann (Der Standard/APA), 1. Februar 2019. Medienbericht oder Studie. Zitat

  124. 2019 sagte das Rektorat der JKU seinen Ballbesuch nach der Affäre um ein Inserat ab; die SPÖ-Landesgeschäftsführerin Bettina Stadlbauer forderte Stelzer auf, diesem Beispiel zu folgen.

    Rechtsextremen-Ball: Kritik an Teilnahme von Oberösterreichs Landeshauptmann (Der Standard/APA), 1. Februar 2019. Medienbericht oder Studie. Zitat

  125. Stelzers Büro begründete den Ehrenschutz 2025 damit, dass er für alle Bälle den Ehrenschutz übernehme, sofern keine „rechtlichen Ausschließungsgründe“ vorliegen; persönlich kam er 2025 laut eigener Angabe aus Termingründen nicht.

    Burschenbundball in Linz trifft auf Gegendemonstration (Tips), 28. Jänner 2025. Medienbericht oder Studie. Zitat

  126. Tips schrieb 2024, die Kritik am Ball rühre daher, dass die Burschenschaft Arminia Czernowitz zu den Organisatoren gehöre und vom DÖW dem rechtsextremen Milieu zugerechnet werde.

    Mehr als tausend Teilnehmer bei Großdemonstration gegen Burschenbundball in Linz (Tips), 5. Februar 2024. Medienbericht oder Studie. Zitat

  127. Das DÖW beschreibt die akademische Burschenschaft Arminia Czernowitz zu Linz als „Mensur schlagende und deutsch-völkische Studentenverbindung“, die mit einer kurzen Unterbrechung 2009 bis 2011 dem rechtsextremen Milieu zuzurechnen sei.

    DÖW: Informationen zur akademischen Burschenschaft (aB!) Arminia Czernowitz zu Linz, undatiert (Stand vermutlich 2016). Primärquelle. Zitat

  128. Laut DÖW waren zumindest 2013 weite Teile der Arminia-Aktivitas auch in der Identitären Bewegung Österreich (IBÖ) aktiv; Ende September 2016 wurde im Linzer Arminen-Haus das Vereinslokal der Identitären („Khevenhüller-Zentrum“) eröffnet.

    DÖW: Informationen zur akademischen Burschenschaft (aB!) Arminia Czernowitz zu Linz, undatiert. Primärquelle. Zitat

  129. Das DÖW nennt als prominente Mitglieder der Arminia Czernowitz Detlef Wimmer (damals Vizebürgermeister von Linz, FPÖ), Michael Raml (damals Abgeordneter zum Bundesrat, FPÖ) und Markus Hein (damals Stadtrat in Linz, FPÖ).

    DÖW: Informationen zur akademischen Burschenschaft (aB!) Arminia Czernowitz zu Linz, undatiert (Stand vermutlich 2016). Primärquelle. Zitat

  130. Der Linzer Sicherheitsstadtrat Michael Raml (FPÖ) erstattete vor dem Ball 2026 Anzeige wegen des Aufrufs „Burschis in die Bälle treten“ in anonymen Antifa-Sujets; laut Landespolizeidirektion OÖ prüfte das Landesamt für Staatsschutz und Extremismusbekämpfung (LSE), ob ein strafrechtliches Vergehen vorliegt.

    Burschenbundball in Linz: FPÖ-Stadtrat zeigt Aufruf "Burschis in die Bälle treten" an (vienna.at/APA), 6. Februar 2026. Medienbericht oder Studie. Zitat

  131. Im Oö. Aktionsplan gegen Extremismus (Stand Juni 2023) schreibt das Landesamt für Verfassungsschutz, deutschnationale Burschenschaften seien politisch im rechten Spektrum angesiedelt, und gegen ihre Mitglieder komme es regelmäßig zu Strafverfahren nach dem Verbotsgesetz.

    Oberösterreichischer Aktionsplan gegen Extremismus, Stand Juni 2023, Juni 2023. Primärquelle. Zitat

  132. Laut Oö. Aktionsplan beobachtete der Verfassungsschutz Kontakte deutschnationaler Burschenschaften zur Identitären Bewegung, gemeinsame Demonstrationen und personelle Überschneidungen.

    Oberösterreichischer Aktionsplan gegen Extremismus, Stand Juni 2023, Juni 2023. Primärquelle. Zitat

  133. Am 10. Juli 2023 beschloss die OÖ Landesregierung auf Antrag von Landeshauptmann Stelzer den „Oö. Aktionsplan gegen Extremismus“ mit 61 neuen Maßnahmen.

    Landeskorrespondenz: Landesregierung genehmigt OÖ. Aktionsplan gegen Extremismus, 10. Juli 2023. Primärquelle. Zitat

  134. Stelzers Büro begründete 2025, er übernehme den Ehrenschutz für alle Bälle, sofern keine „rechtlichen Ausschließungsgründe“ gegen Veranstaltung und Veranstalter vorliegen. Die Gegendemonstration organisiert das Bündnis „Linz gegen Rechts“ seit mehr als zehn Jahren.

    Burschenbundball in Linz trifft auf Gegendemonstration (Tips), 28. Jänner 2025. Medienbericht oder Studie. Zitat

  135. Bei der Demo gegen den Ball 2014 zählte die Polizei etwa 700 Personen, das Bündnis „Linz gegen Rechts“ sprach von circa 3.000; Landeshauptmann Josef Pühringer (ÖVP) und JKU-Vizerektor Friedrich Roithmayr rechtfertigten ihre Teilnahme damit, dass es nie Grund zu Beanstandungen gegeben habe.

    Demonstration gegen Burschenbundball in Linz (Salzburg24/APA), 8. Februar 2014. Medienbericht oder Studie. Zitat

  136. 2023 fand der Burschenbundball nach zwei Jahren pandemiebedingter Pause wieder statt; laut Polizei versammelten sich rund 300 Menschen vor dem Ars Electronica Center, beim Zug durch die Stadt waren es knapp 650; die Veranstalter sprachen von 1.200.

    Burschenbundball und Gegendemo in Linz (ORF), 4. Februar 2023. Medienbericht oder Studie. Zitat

  137. Für 2024 nennen die Medien unterschiedliche Zahlen der Polizei: Tips berichtete von 1.600 Teilnehmenden laut Polizei, der Standard (APA) von 1.800; der Veranstalter sprach jeweils von 2.500.

    Mehr als tausend Teilnehmer bei Großdemonstration gegen Burschenbundball in Linz (Tips), 5. Februar 2024. Medienbericht oder Studie. Zitat

  138. Beim Demonstrationszug gegen den Ball 2025 zählte die Polizei 2.800 Teilnehmende; laut Polizei gab es keine Ausschreitungen oder besonderen Vorfälle; rund um das Palais galt wie in den Vorjahren ein Platzverbot.

    2.800 Teilnehmer bei der Demo gegen den Burschenbundball in Linz (Tips), 2. Februar 2025. Medienbericht oder Studie. Zitat

  139. Gegen den Ball 2026 demonstrierten laut den Organisatoren 1.500 Menschen; laut Polizei verlief die offizielle Kundgebung friedlich. Eine Teilnehmerzahl der Polizei ist im Bericht nicht genannt.

    Friedliche Demonstration gegen Burschenbundball in Linz (ORF), 7. Februar 2026. Medienbericht oder Studie. Zitat

  140. Laut Innenministerium waren von 2013 bis 2018 insgesamt 1.422 Exekutivbeamte rund um den Burschenbundball in Linz im Einsatz: 2013 188 (50.550 Euro), 2014 189 (42.900 Euro), 2015 234 (77.570 Euro), 2016 268 (80.170 Euro), 2017 268 (84.460 Euro), 2018 275 (86.600 Euro).

    3393/AB XXVI. GP, Anfragebeantwortung BM für Inneres zu 3389/J „Polizeieinsätze bei Burschenschafter-Veranstaltungen“, 21. Juni 2019. Primärquelle. Zitat

  141. Laut Innenministerium dürfen die Polizeikosten dem Ballveranstalter nach geltender Rechtslage nicht vorgeschrieben werden; dafür bräuchte es eine eigene gesetzliche Regelung. Polizeischutz haben die Veranstalter bisher nie angefordert.

    3393/AB XXVI. GP, Anfragebeantwortung BM für Inneres zu 3389/J, 21. Juni 2019. Primärquelle. Zitat

  142. 2017 kritisierten die Grünen Linz (Gemeinderat Helge Langer) und die Grünen OÖ, dass das JKU-Rektorat den Ehrenschutz für den Burschenbundball übernahm, und verwiesen auf die Mitgliedschaft der beiden FPÖ-Stadtregierungsmitglieder in der Arminia Czernowitz.

    Burschenbundball: Kritik an Verharmlosung (Tips), 2. Februar 2017. Medienbericht oder Studie. Zitat

  143. Der Dritte Landtagspräsident Peter Binder (SPÖ) legte 2024 als Hobby-DJ bei einer Feier im Lokal eines Linzer SPÖ-Gemeinderats auf, die auf der Ball-Website als „Ballausklang“ angekündigt war; SPÖ-Landeschef Michael Lindner zitierte ihn zu einem klärenden Gespräch. Laut Tips ist die Landes-SPÖ Teil des Bündnisses „Linz gegen Rechts“.

    SP-Landtagspräsident als DJ bei Burschenbundball-Afterparty (Tips), 6. Februar 2024. Medienbericht oder Studie. Zitat

  144. Helge Langer, Klubobmann der Grünen Linz, kritisierte 2024, dass die Ball-Afterparty im Lokal eines Linzer SPÖ-Gemeinderats stattfand.

    SP-Landtagspräsident als DJ bei Burschenbundball-Afterparty (Tips), 6. Februar 2024. Medienbericht oder Studie. Zitat

  145. Laut Land OÖ ereignete sich 2018 rund ein Viertel der rechtsextremen Tathandlungen in Oberösterreich in Linz, auf Linz fielen etwa ein Drittel der Anzeigen; Landeshauptmann Stelzer sagte dazu: „Wir haben das größte Problem mit Rechtsextremismus in Linz“.

    Landeskorrespondenz Nr. 70 vom 9. April 2019: LH Stelzer: Landessicherheitsrat tagt am Mittwoch, 9. April 2019. Primärquelle. Zitat

  146. 2025 wurden in Oberösterreich 350 Tathandlungen mit rechtsextremem, fremdenfeindlich/rassistischem, islamfeindlichem, antisemitischem oder sonstigem Hintergrund bekannt, nach Wien (485) der zweithöchste Wert; österreichweit waren es 1.986.

    3906/AB XXVIII. GP, Anfragebeantwortung BM für Inneres zu 4396/J „rechtsextreme, rassistische und antisemitische Straftaten im Jahr 2025“, 2. März 2026. Primärquelle. Zitat

  147. Laut Verfassungsschutzbericht 2025 stieg die Zahl der bekannt gewordenen rechtsextrem motivierten Tathandlungen in Österreich von 1.486 (2024) auf 1.986 (2025), ein Plus von 33,6 Prozent; 277 Hausdurchsuchungen und 75 Festnahmen.

    Verfassungsschutzbericht 2025 (DSN), 2026. Primärquelle. Zitat

  148. 2025 wurden in Oberösterreich 329 Personen nach dem Verbotsgesetz angezeigt (222 männlich, 20 weiblich, 87 Täter unbekannt), außerdem 64 Anzeigen wegen Verhetzung nach § 283 StGB.

    3906/AB XXVIII. GP, Anfragebeantwortung BM für Inneres zu 4396/J, 2. März 2026. Primärquelle. Zitat

  149. Der Verfassungsschutzbericht 2025 bezeichnet den Online-Sender AUF1 mit Sitz in Linz als das mit Abstand reichweitenstärkste rechtsextreme und heterodox-extremistische Alternativmedium in Österreich (knapp 300.000 Follower auf Telegram).

    Verfassungsschutzbericht 2025 (DSN), 2026. Primärquelle. Zitat

  150. Laut Oö. Aktionsplan gegen Extremismus (Stand Juni 2023) richtete sich die besondere Aufmerksamkeit des oberösterreichischen Staatsschutzes unter anderem auf das „Kastell Aurora“ der IBÖ in Steyregg; das Land Oberösterreich will der Identitären Bewegung und ihr nahestehenden Vereinen keine Räumlichkeiten des Landes zur Verfügung stellen.

    Oberösterreichischer Aktionsplan gegen Extremismus, Stand Juni 2023, Juni 2023. Primärquelle. Zitat

  151. Die Grünen stimmten dem Aktionsplan 2023 in der Landesregierung nicht zu. Sie forderten einen jährlichen Rechtsextremismusbericht, eine Service- und Beratungsstelle für Aussteiger aus der rechtsextremen Szene und einen Stopp von Inseraten und Auftragsvergaben an Personen und Unternehmen im Dunstkreis des Rechtsextremismus.

    OÖ. Aktionsplan gegen Extremismus beschlossen (Tips), 10. Juli 2023. Medienbericht oder Studie. Zitat

  152. Im Juli 2023 lehnte der OÖ Landtag einen Antrag von SPÖ und Grünen ab, den Aktionsplan gegen Extremismus um Präventions- und Ausstiegsprogramme zu konkretisieren.

    Rechtsextreme Tathandlungen: Oberösterreich wieder trauriger Spitzenreiter (Tips), 14. September 2023. Medienbericht oder Studie. Zitat

  153. Am 30. Juni 2016 nahm der Gemeinderat die Grünen-Resolution an den Bund für ein Ausstiegsprogramm für Menschen aus rechtsextremen Gruppen nach dem Vorbild von EXIT Deutschland an. NEOS (3) enthielten sich, die FPÖ (16) stimmte dagegen.

    Wortprotokoll 8. Sitzung des Gemeinderates Linz, 30.6.2016, 30. Juni 2016. Primärquelle. Zitat

  154. Mit den Stimmen der ÖVP nahm der Gemeinderat 2016 auch einen FPÖ-Zusatzantrag an: ein Ausstiegsprogramm für alle Extremismen, auch religiös-fundamentalistische. Grüne (8), NEOS (3) und KPÖ-Gemeinderätin Grünn enthielten sich.

    Wortprotokoll 8. Sitzung des Gemeinderates Linz, 30.6.2016, 30. Juni 2016. Primärquelle. Zitat

  155. Am 9. November 2023 nahm der Gemeinderat einstimmig den Dringlichkeitsantrag „Ein klares Zeichen gegen Extremismus und Antisemitismus setzen“ an. Eingebracht hatten ihn SPÖ, ÖVP, Grüne, FPÖ, NEOS, MFG und LinzPlus.

    Wortprotokoll 17. Sitzung des Gemeinderates Linz, 9.11.2023, 9. November 2023. Primärquelle. Zitat

  156. Langer sagte im November 2023, Antisemitismus sei nicht nur eine Sache eines extremen Randes, und grenzte sich ausdrücklich vom Zugang seines ÖVP-Vorredners ab, der Antisemitismus vor allem migrantischen Gruppen zuschrieb.

    Wortprotokoll 17. Sitzung des Gemeinderates Linz, 9.11.2023, 9. November 2023. Primärquelle. Zitat

  157. Helge Langer schrieb am 25. Februar 2024: „Über 4000 Menschen sind in Linz heute aufgestanden für Demokratie und gegen Rechtsextremismus!“

    Instagram @helgelanger, Beitrag vom 25. Februar 2024, 25. Februar 2024. Grüne Quelle. Zitat

  158. Am 22. Jänner 2026 nahm der Gemeinderat einstimmig den Grünen-Antrag „Linz klar gegen Antisemitismus positionieren“ an (Berichterstatter Tobias Reder). Er ersucht den Bürgermeister, die Erklärung „Mayors United Against Antisemitism“ des American Jewish Committee zu unterzeichnen.

    Wortprotokoll 36. Sitzung des Gemeinderates Linz, 22.1.2026, 22. Jänner 2026. Primärquelle. Zitat